Stählerne Wolke


Serpentine Gallery Pavilion 2013 Designed by Sou Fujimoto © Sou Fujimoto Architects  Image © 2013
Serpentine Gallery Pavilion 2013
Designed by Sou Fujimoto
© Sou Fujimoto Architects
Image © 2013

Published in Weltkunst (Zeit Kunstverlag), October 2013, N°78

Zwei Architekten von Weltruf für Londons Serpentine Gallery: Sou Fujimoto schuf einen fantastischen Pavillon, Zaha Hadid baute ein Pulverdepot zur neuen Dependance um.

Der temporäre Pavillon, den die Londoner Serpentine Gallery seit 2000 jeden Sommer in den Kensington Gardens errichten lässt, ist einer der erfrischendsten Kunstideen der vergangenen Jahre. Bedeutende Architekten wie Zaha Hadid, Oscar Niemeyer oder Peter Zumthor konnten für diese Bauten auf Zeit gewonnen werden, denen immer etwas Spielerisches-Visionäres anhaftet. In den kurzlebigen Räumen finden Veranstaltungen und Ausstellungen statt, sie sind fantastische ästhetische Spektakel.

In diesem Jahr ist Sou Fujimoto der Architekt des Pavillons. Der 41-jährige Japaner, der erst wenige Häuser realisiert hat, zählt zu den interessantesten Architekten der Gegenwart und gilt als ein radikaler Erneuerer. Seine Entwürfe zeichnet eine erstaunliche Leichtigkeit und Fragilität aus, zugleich antizipieren sie die künftige Platznot auf unserem Planeten. Auch die feinmaschige Gitterstruktur, die Fujimoto auf den Rasen des königlichen Parks vor das klassizistische Serpentine-Teehaus setzte, folgt diesen Prinzipien. Sie wirkt organisch, schwebend, wie eine abgestürzte Wolke, unterläuft die herkömmlichen Grenzziehungen zwischen drinnen und draußen und lädt bis zum 20. Oktober zum Erkunden, ja sogar zum Klettern ein.

Marisa Merz Untitled, 2012 Mixed media on paper on wood 55.2 x 45.7 x 1.6 cm Photo: David Regen © Marisa Merz Courtesy Gladstone Gallery, New York and Brussels
Marisa Merz
Untitled, 2012
Mixed media on paper on wood
55.2 x 45.7 x 1.6 cm
Photo: David Regen
© Marisa Merz
Courtesy Gladstone Gallery, New York and Brussels

Und noch mehr architektonische Neuigkeiten finden sich bei Serpentine. Künftig gibt es eine zweite Dependance, die nur zehn Minuten Fußweg entfernte Serpentine Sackler Gallery. Sie befindet sich in einem Schießpulverdepot von 1805, “The Magazine”, das von Zaha Hadid umgebaut wurde. Die neuen Räume werden am 28. September mit einer Installation des 23-jährigen argentinischen Künstlers Adrián Rojas und einer Werkschau der Italienerin Marisa Merz eröffnet. Für beide handelt es sich um ihre ersten Soloauftritte in Großbritannien.

Rojas war bereits 2010 mit den “Songs during the War” beim “89plus Marathon” vertreten, einer von Hans Ulrich Obrist, dem Kodirektor der Galerie, ins Leben gerufenen Veranstaltungsreihe, die sich explizit jungen Künstlern widmet. Auch diese Serpentine-Innovation verwandelt sich langsam in eine Tradition: Zur Friese im Oktober geht sie in ihre inzwischen achte Runde.

– Lisa Moravec / Matthias Ehlert

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s